Am Puls der Wasserkraft

Die KWO feierte 2025 ihr 100-jähriges Bestehen. An verschiedensten Veranstaltungen lud sie Interessierte herzlich dazu ein, den Puls der Wasserkraft zu spüren und für wenige Stunden die spannende Kombination aus Natur, Mensch und Technik zu erleben. Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete das Jubiläumswochenende Ende Juni.


Jubiläumswochenende der KWO 2025

Am 20. Juni und dem darauffolgenden Wochenende feierte die KWO mit einem grossen Fest und einem zweitägigen Publikumsanlass ihr 100-jähriges Bestehen – bei mehrheitlich gutem Wetter und mit vielen fröhlichen und zufriedenen Gesichtern.

Offizielle Einweihung der neuen Staumauer Spitallamm
Offizielle Einweihung neue Staumauer Spitallamm mit Beleuchtung
Einweihung der neuen Staumauer: Albert Rösti, Barbara Egger Jenzer und Daniel Fischlin
Jubiläumswochenende 2025: Jubiläumsgäste im Festzelt
Stolleninszenierung zur 100-jährigen Geschichte
Ansprache Regierungsrat Christoph Ammann
Jubiläumswochenende in Innertkirchen
Unterhaltung im Festzelt mit Stickstoff
Grimsel Hospiz aus der Luft
Jubiläumswochenende 2025: Festgelände Grimsel
Filmvorführung im Stollen
Jubiläumswochenende: Besucher:innen auf der neuen Staumauer

Alle Veranstaltungen für Gäste und Öffentlichkeit im Jubiläumsjahr 2025:

10.04.2025 | Mehr Winterspeicher für mehr Versorgungssicherheit
Die KWO plant die Ausbauprojekte Trift und Vergrösserung Grimselsee, welche seit Juni 2024 mit dem neuen Stromgesetz gesetzlich verankert sind. Doch was genau ist vorgesehen? Wie weit sind die Projekte fortgeschritten? Und wo steht der Bau der neuen Spitallamm Staumauer?
Ausführungen von KWO-Projektleiter Benno Schwegler | anschliessend Fragerunde | Apéro und Gespräche | Tramhalle Meiringen | 19.00 bis 21.30 Uhr | freier Eintritt

10.05.2025 | «Am Puls der Wasserkraft» | Anlass für die regionale Bevölkerung | Innertkirchen
Führungen in allen drei Kraftwerken und in der Zentralen Leitstelle (ZLS) | Essen und Getränke offeriert | Konzerte mit «EifachBEN» und Ländlerquartett Hasliberg | Kinderprogramm mit Hüpfburg, Töggelikasten, Clown etc.
Hauptsitz der KWO in Innertkirchen | 10.00 bis 17.00 Uhr

22.05.2025 | Natur, Mensch, Technik und Geschichte – hautnah erzählt 
Das Jubiläumsbuch nimmt Leser:innen mit auf eine Reise durch die Vergangenheit der Kraftwerke Oberhasli – erzählt aus den Perspektiven der Menschen, die sie prägten. Vom Leben der ersten Pioniere bis zu den Herausforderungen von heute: authentisch, spannend und bildgewaltig. Ein Stück Schweizer Wirtschaftsgeschichte. 
Vernissage des Jubiläumsbuchs «100 Jahre KWO» | anschliessend Zeit für Apéro und Gespräche | Tramhalle Meiringen | 19.00 bis 22.00 Uhr | freier Eintritt

19.06.2025 | Staumauerfest
Rund 180 Arbeiterinnen und Arbeiter, Ingenieure, Planerinnen, Vermesser, Elektriker etc. waren als Dank für ihren Beitrag zum Bau der neuen Staumauer Spitallamm zu einem feierlichen Nachtessen und einen Rundgang auf der neuen und der alten Staumauer eingeladen.  

20.06.2025 | Jubiläumsfeier 100 Jahre KWO und Einweihung der neuen Spitallamm Staumauer
Gemeinsam mit rund 200 geladenen Gästen aus der Region, der Wirtschaft und Politik, darunter auch Bundesrat Albert Rösti, feierte die KWO bei bestem Wetter ihr 100-jähriges Bestehen an der Grimsel. Später am Abend wurde die neue Staumauer Spitallamm in Anwesenheit der Gäste mit einem feierlichen Akt nach sechs Jahren Bauzeit eingeweiht. 

21. + 22.06.2025 | Jubiläumswochenende der KWO
Die KWO feiert ihren 100. Geburtstag mit der breiten Bevölkerung. Die rund 3000 Gäste erlebten an diesem Wochenende die spannende Kombination aus Natur, Mensch und Technik und spürten den Puls der Wasserkraft. Höhepunkt an den Publikumstagen war die Begehung der neuen und alten Spitallamm Staumauer.
Publikumsanlass der KWO | Getränke und Essen an mehreren Standorten | Innertkirchen bis Grimsel | jeweils 9.00 bis 17.00 Uhr

23.06.2025 | Partneranlass
KWO-Mitarbeitende, deren Geschäftspartner und Kunden folgten der Einladung an die Grimsel und verbrachten mit ihren Kontaktpersonen bei der KWO einen Tag mit Netzwerken, Fachgesprächen, Austausch und Kennenlernen über die Abteilungsgrenzen hinweg.

21. 08.2025 | Jubiläumsfest für Mitarbeitende und Pensionierte
Alle Mitarbeitende und Pensionierte inklusive einer jeweiligen Begleitperson waren im Congress Kursaal in Interlaken zu einem grossen Jubiläums-Mitarbeitenden-Fest der KWO eingeladen. Ein gelungener, stimmiger Abend mit feinem Essen, guter Unterhaltung und schönem Ambiente.

10.09.2025 | «Am Puls der Wasserkraft» | Anlass für die regionale Bevölkerung | Gadmental
Anlass für die lokale Bevölkerung mit Besichtigung der Anlagen in Fuhren und Hopflauenen | Informationen über den Fischlift und geplante Ausgleichsmassnahmen | Essen und Getränke offeriert
Kraftwerke Hopflauenen, Gadmental | 16.00 bis 20.00 Uhr

17.09.2025 | Die komplexe Welt hinter der Steckdose + Premiere Dokumentarfilm Staumauer Spitallamm
Eine stabile und zuverlässige Energieversorgung ist essentiell für die Schweiz. 60 Prozent 
des Schweizer Stroms stammt aus Wasserkraft, was sie zur wichtigsten erneuerbaren 
Energiequelle der Schweiz macht. Die Referenten zeigen auf, welche Rolle die Wasserkraft und damit die KWO bei der Stabilisierung des Stromnetzes spielt und wie die nationale Netzbetreiberin Swissgrid Schwankungen im Stromverbrauch und der Produktion ausgleicht. Eine sichere und zuverlässige Stromversorgung ist eine komplexe Angelegenheit. Anschliessend Premiere des Dokumentarfilms über den Bau der neuen Spitallamm Staumauer.
Ausführungen von Daniel Fischlin, CEO KWO, und Jörg Spicker, Senior Strategic Advisor Swissgrid | Premiere Dokumentarfilm Baustelle Spitallamm | anschliessend Zeit für Apéro und Gespräche | Tramhalle Meiringen |19.00 bis 22.00 Uhr | freier Eintritt

13.11.2025 | Naturgefahren und Klimawandel
Murgang, Steinschlag, Rutschung, Starkregen und auftauender Permafrost: Die Anlagen der KWO stehen an exponierten Lagen, teilweise im Hochgebirge. Naturereignisse und der Klimawandel stellen neue Herausforderungen an den Unterhalt und die Sicherheit. Wie sehen diese Herausforderungen konkret aus? Und wie geht die Entwicklung – auch bezüglich Wetter und Klima – weiter?
Ausführungen von Daniel Bürki, Leiter Planung Unterhalt & Fachgruppe Fels Wasser Eis KWO, und Rolf Weingartner, emeritierter Professor für Hydrologie Universität Bern | anschliessend Zeit für 
Apéro und Gespräche | Tramhalle Meiringen | 19.00 bis 21.30 Uhr | freier Eintritt

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KWO einhundert – Streifzüge durch die Welt der Wasserkraft

«KWO einhundert» ist ein wunderbares, dickes Buch rund um ein Jahrhundert Wasserkraft, ein Band voller Geschichten, Schicksale und visionärer Bauprojekte. Das Jubiläumsbuch nimmt Leser:innen mit auf eine Reise durch die Vergangenheit der Kraftwerke Oberhasli – erzählt aus den Perspektiven der Menschen, die sie prägten. Vom Leben der ersten Pioniere bis zu den Herausforderungen von heute: authentisch, spannend und bildgewaltig. Das Buch ist auch ein Stück Schweizer Wirtschaftsgeschichte, mit wunderschönen historischen Fotografien und aktuellen Bildern des Fotografen David Birri, mit spannenden Texten von unserer Autorin Annette Marti und einem tollen Layout von unserem Grimselwelt Magazin Grafiker Alain Gruber. Verlegerin ist «Hier und Jetzt», der Verlag für Kultur und Geschichte.

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Unsere Mitarbeitenden – mit Herzblut engagiert für die KWO

Bei einem Jubiläum sind die Feierlichkeiten – verständlicherweise – ein zentrales Element. In diesem 100 Jahren aber immer sehr wichtig, waren auch die verschiedenen Mitarbeitenden der KWO, die mit viel Leidenschaft und Engagement ihren Berufe ausüben. Vielen liegen auch die wunderschöne Landschaft und die Natur am Herzen und sie sind sich bewusst, es ist ein Privileg in einer derartigen Umgebung zu arbeiten. 

Für das Jubiläumsjahr wollten wir auch unsere Mitarbeitenden in den Fokus rücken. Sie sind für den Erfolg eines Unternehmens zentral. Von Mitarbeitenden sind kurze, unterhaltsame Porträts entstanden im Rahmen einer Jubiläumserie entstanden. Die Menschen sind in ganz unterschiedlichen Bereichen tätigen und tragen alle zur Vielfalt und zum Erfolg des Unternehmens KWO bei.  

Walter Schläppi, Seilbahnfachmann bei der KWO
Technik

Höhenangst ist ein Fremdwort für ihn

Seit 30 Jahren sorgt der Seilbahnfachmann Walter Schläppi dafür, dass die 18 Bahnanlagen der KWO sicher und zuverlässig laufen. Ob auf dem Dach der Seilbahn Handeck Gerstenegg, bei Schneeräumungen oder in engen Schächten – sein Beruf verlangt Präzision, Teamgeist und Freude am Tüfteln. 

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Matthias_Meyer_Gewaesseroekologe_KWO
Mensch

Der Fischflüsterer der KWO

Matthias Meyer kümmert sich bei der Fachstelle Ökologie um den Schutz der Gewässer im KWO-Gebiet, speziell um gefährdete Fischarten wie die Seeforelle. Warum der 43-Jährige stets eine Wathose zur Hand hat, was er vom Fischen hält und warum er zum Fischlift in Fuhren eine besondere Beziehung hat.

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Mensch

Die Kennerin der KWO-Anlagen im Grimselgebiet

Seit 18 Jahren führt Christine Anderegg Gruppen und Interessierte durch die Kraftwerke, über Staumauern und zur Kristallkluft. Die routinierte Besucherführerin weiss auf die meisten Fragen eine Antwort und spricht dank ihrem Job heute Französisch – dabei wäre sie zu Beginn beinahe abgesprungen.

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Technik

Er bringt die Herzstücke der Turbinen wieder zum Laufen

Wenn ein Laufrad oder eine andere Turbinenkomponente der KWO überholt werden muss, kommt Stefan Huber zum Einsatz. Der Metallbauer und Schweissfachmann sorgt gemeinsam mit seinem Team dafür, dass bis zu 20 Tonnen schwere Bauteile wieder zuverlässig laufen.

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Mensch

Der Datenjongleur aus dem obersten Stock

Theo Winkler kennt die Zentrale Leitstelle der KWO wie kein Zweiter. Seit über zwei Jahrzehnten ist der Datenanalytiker die Schaltstelle zwischen Technik, Mensch und Maschine. Mit Weitblick, Hartnäckigkeit und einem Schuss Selbstironie sorgt er dafür, dass die Prozesse reibungslos laufen. Der frühere Elektromechaniker verkörpert den Wandel der KWO – mit Erfahrung, Neugier und einem Augenzwinkern.

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Monika_Pivarciova_Grimsel_Hospiz_Jubilaeum_Teaser
Mensch

Gastgeberin mit Herz auf dem Grimsel Nollen

An hektischen Tagen blüht sie auf: Monika Pivarciova, Chef de Service im Hotel Grimsel Hospiz, ist ganz in ihrem Element, wenn Restaurant und Terrasse bis auf den letzten Platz besetzt sind. Im Interview verrät die 32-jährige, warum sie im Juni gleich doppelt feiert und wie man ihr den Tag versüssen kann.

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Urs Willener, Kraftwerksleiter KWO Aaretal
Mensch

Er spielt gerne den Detektiv

Für ihn ist kein Tag wie der andere: Urs Willener ist Leiter der Kraftwerke im Aaretal und liebt es, bei Störungen der Maschinen auf Spurensuche zu gehen. Der KWO-Mitarbeiter verrät, wie der ideale Arbeitstag für ihn aussieht und was ihm schlaflose Nächte bereitet.

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Mensch

Für den Staumauerbau zurück ins Hasli

Christof Frutiger begleitete den Ersatz der Spitallammmauer von den ersten Skizzen bis hin zu den Abschlussarbeiten. Vor rund einem Jahr wechselte er von der Bauleitung in die Projektleitung. Auch hier beschäftigt er sich mit dem Thema Staumauer. 

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Mensch

Bei ihm laufen die Fäden zusammen

Franz Thöni ist für die Investitionsplanung der Kraftwerke mitverantwortlich, nimmt gleichzeitig aber auch die Bauherrenfunktion bei der Ausführung der Bauprojekte ein. Ein Treffen mit dem Allrounder und Troubleshooter im leeren Grimselsee.

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Daniel Fischlin, CEO der KWO, im Grimsel Hospiz
Daniel Fischlin, CEO der KWO, im Historischen Alpinhotel Grimsel Hospiz

«Die KWO war immer vorne dabei, diese Kultur wollen wir pflegen.»

Im Jahr 2025 feiert die Kraftwerke Oberhasli AG ihr 100-jähriges Jubiläum. Ende Juni gibt es an der Grimsel ein grosses Fest für die Öffentlichkeit. Was hat das Unternehmen aus der Geschichte gelernt? Und wo steht es heute? Daniel Fischlin, CEO der KWO, gibt einen Überblick.

 

Die KWO feiert dieses Jahr das 100-jährige Jubiläum. Wie geht es Ihnen dabei? 

Daniel Fischlin: Es ist eine spannende Zeit und ich freue mich sehr, gerade jetzt mit an Bord der KWO zu sein. So ein Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, sich zu fragen, wo man steht. Gleichzeitig wird einem bewusst, was all die Menschen vor uns geleistet haben. Das ist nicht nur interessant, sondern verlangt einem auch viel Respekt ab. 

Was ist Ihre Inspiration aus der Geschichte der KWO? 

Die KWO wurde in einer Zeit des Mangels gegründet. Man wollte von der Kohle als Energieträger wegkommen und die Elektrifizierung vorantreiben. Die pragmatische Art, mit der die Gründerväter in den 1920er die KWO auf den Weg gebracht haben, beeindruckt mich. Man hat immer versucht, das Bestmögliche aus den vorhandenen Mitteln herauszuholen. Dabei ging man manchmal auch an die Grenzen. Dieser Geist hat die KWO geprägt. 

Sie würden sagen, man spürt das heute noch? 

Die KWO war stets vorne dabei, diese Kultur wollen wir pflegen. 1940 baute die KWO zum Beispiel das erste unterirdische Kraftwerk Europas, später am Räterichs­bodensee eine Staumauer, die in die Landschaft passt, in den 1970er Jahren kam das erste grosse Pumpspeicherwerk… Anfang der 2000er Jahre war die KWO die erste Wasserkraft­unternehmung mit einer eigenen Ökologie­abteilung. Heute überlegen wir zum Beispiel, wie wir einen Roboter im Kraftwerks­unterhalt einsetzen könnten. Überhaupt laufen wir bei der KWO praktisch täglich durch die Geschichte. Wir kommen an alten Bauwerken vorbei, an Maschinen mit Typenschildern von 1928, wir gehen durch Stollen oder über Treppen, die 100 Jahre alt sind, wir lesen alte Berichte und studieren Pläne von früher – unsere Mitarbeitenden sind sozusagen imprägniert mit Geschichte.

Bau der Oberaarstaumauer im Oktober 1953
Bau der Oberaarstaumauer im Oktober 1953
Bau der alten Spitallamm Staumauer  im Oktober 1928
Bau der alten Spitallamm Staumauer im Oktober 1928
Kabelzug Richtung Rätherichsboden 
im Juli 1947
Kabelzug Richtung Rätherichsboden im Juli 1947

Das Thema Wasserkraft ist seit einiger Zeit in aller Munde. Hilft Ihnen dies, Ihre Projekte einfacher auf Kurs zu bringen? 

Natürlich ist es wichtig, dass wir politisches Gehör finden, aber leider ist es damit nicht gemacht. Wasserkraft bewegt sich auf sehr langfristigen Horizonten, da ändert die Stimmung mehrere Male. Bei den Projekten nehmen schon nur die Verfahren sehr viel Zeit in Anspruch, allein das Konzessions­verfahren dauert zwei bis drei Jahre. Da kann noch so viel Schwung da sein, es macht die Amtsstuben selten schneller. 

Obwohl die KWO über Jahre einen Dialog geführt hat mit Umwelt­verbänden, ist das Projekt Speichersee Trift durch eine Beschwerde zurückgeworfen worden. Frustriert Sie das? 

Ich persönlich kann es nicht ändern, deshalb hat es wenig Sinn, sich darüber zu ärgern. Aber die Situation ist schon schwierig. Die Gegner reden bei der Trift von einem unberührten Gebiet und solche Worte erzeugen starke Bilder. Es wirkt dann oft so, als würden wir die letzten Oasen im Alpenraum zerstören, und dies in einer Welt, in der im Moment sowieso Vieles im Argen liegt. Aber: Das ist so nicht richtig. Wir tangieren mit dem Trift-Projekt kein Schutzgebiet, die Landschaft hat sich über die Jahre auch ohne Wasserkraft stark gewandelt und wird schon lange rege besucht.

Wasserkraft bewegt sich auf sehr langfristigen Horizonten, da ändert die Stimmung mehrere Male.

Daniel Fischlin, CEO KWO


Es geht also auch um die Sehnsucht nach einer heilen Welt? 

Es kommt mir so vor ja. Die KWO zerstört diese Idylle von Blumenwiesen und Kuhglocken. Fakten spielen da weniger eine Rolle. Beispielsweise die Tatsache, dass mit dem Klimawandel die Nullgradgrenze laufend höher steigen wird, und dass sich damit auch die Fauna und Flora im Gletschervorfeld der Trift verändern wird. Trotzdem sehe ich keinen anderen Weg, als den Dialog mit den verschiedenen Kreisen weiterzuführen. So wie wir das aktuell auch für das Projekt Vergrösserung Grimselsee machen. 

Die KWO hatte eine Phase, in der sie stark in die Kritik geriet, auch innerhalb der Region, als sie in den 1980er und 1990er Jahren das Projekt Grimsel-West vorantrieb. Wie ist das Verhältnis zur Region heute? 

Wir können nicht so wirtschaften, dass wir die ganze Region gegen uns haben. Dafür war die Grimsel-West Zeit eine sehr lehrreiche Lektion. Das Projekt plante man in viel zu grossen Dimensionen und arbeitete mit einer etwas einseitigen technischen Sichtweise. So gesehen war die Kurskorrektur wichtig. Die KWO hat sich danach sehr stark um bessere Beziehungen in der Region bemüht, in dieses Kapitel fällt auch die Öffnung gegenüber Einheimischen und Gästen mit unserer Grimselwelt. Wir sind immer auf den Goodwill der Bevölkerung angewiesen. Für jedes Projekt braucht es beispielsweise Einwilligungen von Landbesitzern, wir brauchen Zugang zu bestimmten Orten, wir beantragen Baubewilligungen, um nur einige Beispiele zu nennen – das geht nicht ohne ein gutes Verhältnis zur Region.

Grimsel Hospiz, im Hintergrund der Grimselsee
Grimsel Hospiz, im Hintergrund der Grimselsee

Sie sagten, die Wasserkraft bewegt sich auf langfristigen Horizonten. Trotzdem müssen Sie am Markt bestehen, wie geht das zusammen? 

Es ist so, wir können uns nicht nach kurzfristigen Zyklen richten, das liegt nicht im Charakter eines Wasserkraftunternehmens. Denken Sie nur, so ein Bauwerk hält 150 bis 200 Jahre, beispielsweise eine Staumauer. Und es dauert sechs bis acht Jahre, sie zu bauen. Wirtschaftlichkeitsrechnungen hingegen haben einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren. Man macht also eine Rechnung, sagt, es ist wirtschaftlich – aber wenn das Kraftwerk oder die Mauer in Betrieb geht, sieht die Welt schon wieder anders aus. Man muss deshalb eine Vision haben, man muss daran glauben, dass es die Wasserkraft auch in 100 Jahren noch braucht. 

Und, wird es sie noch brauchen? 

Ich bin überzeugt davon! Schon nur, wenn man sich anschaut, wie die Stromnetze funktionieren. Diese Anforderungen, die Stabilität, die ein Netz braucht, das kann nur die Wasserkraft leisten: schnell reagieren, schnell rauffahren und Leistung liefern. Gasturbinen würden auch in Frage kommen, aber aufgrund der CO₂ -Problematik fallen sie weg. Da bleibt nur Wasserkraft. Und noch etwas… 

Ja? 

Mir scheint manchmal, die Gründer der KWO haben besser mit Unsicherheit umgehen können, als wir es heute tun. Die glaubten an die Wasserkraft. Sie sagten, wir brauchen das jetzt und richteten sich danach, wie viel Geld zur Verfügung stand. Damals hat niemand die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens berechnet. So etwas funktioniert einfach nicht. 

Mir scheint manchmal, die Gründer der KWO haben besser mit Unsicherheit umgehen können, als wir es heute tun.

Daniel Fischlin, CEO KWO


Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre? 

Es gibt verschiedene Herausforderungen, die wir bewältigen müssen. Auf operativer Ebene zum Beispiel gilt es, dem Fachkräfte­mangel entgegen­zutreten. Hier setzen wir darauf, vermehrt Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger für unsere Arbeiten zu begeistern und wir wollen den Frauenanteil deutlich steigern. Gleichzeitig müssen wir sorgfältig mit dem Wissen umgehen, das in der KWO vorhanden ist. Dabei kommen auch moderne Technologien zum Einsatz, etwa eine KI, die wir so trainieren, dass sie mithilft, unser Fachwissen zu bewahren. Wir wollen zudem eine Ausbildungs­stelle sein für Kraftwerke in der Schweiz und im Kraftwerks­unterhalt ein Wort mitreden. Ebenso soll die KWO ein Leuchtturm bleiben für nach haltigen Tourismus. 

Die KWO umfasst sehr viele verschiedene Themenbereiche, was ist der gemeinsame Nenner? 

In den 100 Jahren haben wir sehr viel Erfahrung erlangt im Umgang mit Natur, Strom­erzeugung und Tourismus. Wir stehen in der Verantwortung, diesen Erfahrungs­schatz an die nächsten Generationen weiterzugeben. Leider verkommt der Begriff «Nachhaltigkeit» heute oft zu einem Papiertiger. Dagegen wehre ich mich. Wir haben bei der KWO die Möglichkeit, Nachhaltigkeit in Tat umzusetzen. Wir nutzen die Landschaft für die Produktion von Wasserkraft und deshalb müssen wir auch Sorge zu ihr tragen.

Interview: Annette Marti

Fakten zur KWO und ihrer 100-jährigen Geschichte

Die Kraftwerke Oberhasli AG ist am 20. Juni 1925 in Bern gegründet worden. Federführend im Planungs­prozess war die damalige Bernische Kraftwerke AG BKW (heute BKW Energie AG) mit ihrem Direktor Eduard Will. Die BKW hatte bereits 1906 eine Konzession erhalten zur Ausnutzung der Wasserkräfte im Oberhasli, sie hätte die Aufgabe gerne im Alleingang bewältigt. 

Die damaligen politischen Verhältnisse liessen dies jedoch nicht zu und so trat die eigenständige Aktien­gesellschaft KWO auf die Bühne. Die Idee war, weitere Partner für das Vorhaben zu gewinnen. Dies gelang jedoch erst nach einiger Zeit: 1928 kam die Stadt Basel als Aktionärin dazu, 1930 die Stadt Bern und 1938 die Stadt Zürich. 

Seither ist die KWO ein Partnerwerk, mit bis heute gleich­bleibenden Besitz­verhältnissen: Die KWO gehört zur Hälfte der BKW, die andere Hälfte teilen sich die drei Städte Basel, Bern und Zürich. 

Der Ausbau des Kraftwerk­systems mit den heute 8 Seen und 13 Kraftwerken erfolgte in mehreren Etappen: Handeck 1 (1925–1932), Innertkirchen 1 (1940–1942), Handeck 2 (1947–1950), Oberaar / Grimsel 1 (1950–1954), Gadmer Seite (Fuhren, Hopflauenen, Innertkirchen 2 1958–1968), Handeck 3 (1972–1976), Grimsel 2 (1973–1980), Handeck 2a und Innertkirchen 1a (2012–2016), Innertkirchen 3 (2015 / 16), Grimsel Nollen (2017).

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