Medienmitteilung

KWO prüft alternative Projektvariante für Ausbauvorhaben Trift

An der Trift im östlichen Berner Oberland soll ein Stausee und ein neues Kraftwerk entstehen. Das geplante Ausbauvorhaben ist zentral für die Versorgungssicherheit in den Wintermonaten und für die Netzstabilität in der Schweiz. Aktuell sind die Gespräche zwischen der KWO und der Standortgemeinde Innertkirchen blockiert. Die KWO prüft nun eine alternative Erschliessung über das Aaretal – in unbewohntem Gebiet und ausserhalb der Landwirtschaftszone. 


19.02.2026

Das Projekt Neubau Speichersee und Kraftwerk Trift ist Teil der strategischen Wasserkraftausbauvorhaben des Bundes und seit Anfang 2025 im neuen Stromgesetz verankert. Es ist ein prioritäres Ausbauprojekt für mehr Energie und zusätzlichen Winterspeicher in der Schweiz. Die neue Anlage ermöglicht vielseitige Möglichkeiten Strom zu produzieren, und zwar kurzfristig und flexibel auf Abruf, aber auch langfristig nach Plan. Diese Flexibilität wird mit der zunehmenden Volatilität im Stromnetz aufgrund der Stromproduktion aus Wind- und Sonnenenergie immer wichtiger. Der Stausee an der Trift hat ein Fassungsvermögen von 85 Millionen Kubikmetern, einen Energiegehalt von 215 Gigawattstunden und ermöglicht eine zusätzliche Stromproduktion von 145 Gigawattstunden. 

Projektplanung läuft seit 2014

Die KWO plant das Trift-Projekt seit 2014 und hat im Herbst 2017 die nötigen Konzessionsunterlagen bei den kantonalen Behörden eingereicht. Anfang Dezember 2025 einigte sich die KWO mit dem Kanton Bern und den Umweltverbänden auf zusätzliche Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft. Die Umsetzung dieser Massnahmen ist eine verbindliche Vorgabe für grosse Speichervorhaben, die mit dem Stromgesetz in Kraft trat. Die Umweltverbände sicherten im Gegenzug zu, künftig auf Beschwerden gegen die geplanten Ausbauvorhaben der KWO zu verzichten. Diese Einigung wurde im Nachgang im Kanton und von der Gemeinde Innertkirchen kritisiert. Gegenwärtig ist vor dem bernischen Verwaltungsgericht noch eine Beschwerde gegen die Konzessionserteilung des Grimselvereins gegen das Projekt hängig. 

Blockade trotz Dialog, Vorinvestitionen und Ausgleichsmassnahmen

Seit 2017 informierte die KWO die Standortgemeinde Innertkirchen und die Bevölkerung im Gadmental einmal jährlichen an Informationsveranstaltungen über den Projektfortschritt. Aufgrund von Rückmeldungen und geäusserten Bedenken aus der Bevölkerung hat die KWO die Projektpläne mehrfach angepasst. So sind etwa der Zugangsstollen an die Trift mehrere hundert Meter von einer Siedlung wegverlegt und Deponien für Ausbruchmaterial zentralisiert worden. Weiter bekannte sich die KWO mehrfach zu sogenannt freiwilligen gesellschaftlichen und touristischen Ausgleichsmassnahmen in der Höhe von 7 Millionen Franken. Das Geld soll in eine Stiftung – anstelle eines Fonds zur freien Verfügung – eingebracht und mögliche Projekte gemeinsam mit der Gemeinde sowie den Interessengemeinschaften Gadmen und Fuhren erarbeitet werden. Zusätzlich leistete die KWO im Gadmental Vorinvestitionen in Millionenhöhe, wie unter anderem die Umlegung der Langlaufloipe Gadmen (500'000 Franken) oder die Verlegung des Wanderweges zur Trift-Hütte (400'000 Franken). 

Während des sogenannten «Grimsel-Dialogs» stand die KWO während zweier Jahre in engem Austausch mit den Gemeindevertretern von Innertkirchen. Diese lehnten sämtliche Vorschläge für ein mögliches Vorgehen bezüglich gesellschaftlicher und touristischer Ausgleichsmassnahmen ab. Vor Weihnachten hat die Gemeinde Innertkirchen die Gespräche mit der KWO abgebrochen. Auf ein erneutes Gesprächsersuchen Anfang 2026 ist die Gemeinde nicht eingetreten. Diese Blockade erschwert für die KWO die weitere Planung im Hinblick auf eine spätere Baugesuchseingabe und schafft Unsicherheit.

Alternative Erschliessungsvariante via Aaretal

Die KWO sieht es als ihren Auftrag, das national bedeutende Ausbauvorhaben für zusätzlichen Speicher und mehr Winterenergie zu realisieren. Sie prüft deshalb seit Ende 2025 gemeinsam mit Ingenieurbüros und externen Experten alternative Erschliessungsvarianten zum Gadmental. Neu bietet sich eine Erschliessung via Aaretal an. Diese Variante erfordert zwar Projektanpassungen, liegt aber in unbewohntem Gebiet ausserhalb der Landwirtschaftszone und verfügt dank der Grimselstrasse über gute logistische Bedingungen. Die Variante Aaretal stellt nach heutigem Planungsstand eine mögliche Alternative zum Zugang via Gadmental dar und erhöht die Planungssicherheit. Ein erster Austausch mit dem Gemeinderat von Guttannen und den Landeigentümern fand gestern Abend statt. In einem nächsten Schritt erfolgen nun ökologische und geologische Abklärungen sowie Erhebungen auf dem betroffenen Gebiet, auf dem Deponien und Installationsflächen zu stehen kommen. Die KWO hat diese Fläche bereits für Bauvorhaben in den 1970er und 2000er Jahren genutzt.

Grafische Darstellung Projekt Trift mit Alternative "Aaretal"

Technische Abklärungen laufen

Der alternative Zugang für den Stollen zur Trift im Aaretal wäre auf der Höhe Bärfallen (Rotlaui) oberhalb der Ortschaft Guttannen Richtung Grimsel. Vom Ausgangspunkt Bärfallen würde der Stollen unterirdisch Richtung Trift führen. Die Länge sämtlicher Erschliessungsstollen würde insgesamt rund 8 km betragen, 3 km mehr als jene via Gadmental. Die Geologie ist der KWO grösstenteils bekannt, weil im selben Bereich bereits seit Jahrzehnten ein wasserführender Stollen vom Aaretal an die Trift führt. Für die Variante Aaretal müssen nun zusätzliche Erhebungen gemacht und die Projektplanung angepasst werden. Die KWO rechnet hierfür mit einem Aufwand von ein bis zwei Jahren. Für eine verbindliche Aussage bezüglich Gesamtkosten der Variante Aaretal ist es derzeit noch zu früh, die Berechnungen und Analysen laufen.

Variantenentscheid ist noch nicht gefallen

Der bisher geplante Zugang zur Trift via Gadmental ist nach wie vor die kürzeste und naheliegendste Erschliessung für das Ausbauvorhaben. Das ursprüngliche Projekt ist weit fortgeschritten. Mit der Variante Aaretal ist nun eine Möglichkeit vorhanden, das bedeutsame Ausbauvorhaben mit einer guten Variante voranzutreiben, trotz der gegenwärtigen Blockade in der Standortgemeinde. Die Variante Aarteal bringt gewisse zeitliche Verzögerungen, aber auch viele Vorteile mit sich. Die KWO ist verpflichtet, dieses regional und national wichtige Winterspeicherprojekt an der Trift zu realisieren – insbesondere auch mit Blick auf die Versorgungssicherheit in der Schweiz. Die KWO, die in der Region fest verankert ist, wird sich dafür einsetzen, die Immissionen und Einschränkungen durch die Baustelle so gering wie möglich zu halten und die Betriebsabläufe entsprechend zu optimieren. 

Weitere Informationen

KWO, Kraftwerke Oberhasli AG

Nadja Ruch, Kommunikation und Interessengruppen 

3862 Innertkirchen

Telefon direkt: +41 33 982 28 28

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