Mensch
2 mit Energie für 4
Zwingend vorgegeben war ihr Weg in die Gin-Brennerei nicht: Lisa Beck trinkt als ehemalige Profsportlerin und Sportphysiotherapeutin keinen Alkohol, Davide Tiraboschi reiste als Kameramann und Drohnenpilot so viel in der Welt herum, dass er kaum Zeit gehabt hätte, stundenlang Beeren zu sammeln.
05.05.2026 Autor:in – Davide Tiraboschi und Lisa Beck
Zwingend vorgegeben war ihr Weg in die Gin-Brennerei nicht: Lisa Beck trinkt als ehemalige Profsportlerin und Sportphysiotherapeutin keinen Alkohol, Davide Tiraboschi reiste als Kameramann und Drohnenpilot so viel in der Welt herum, dass er kaum Zeit gehabt hätte, stundenlang Beeren zu sammeln. Und doch sitzt das Paar heute mit grosser Selbstverständlichkeit neben der herrlich glänzenden Kupfer-Destille in der Gin-Brennerei in Guttannen, vor ihnen auf dem Tisch ein Holzbehälter mit frischen Wacholderbeeren. Sie schwärmen von den Zutaten, die ihrem Gin die ausgezeichnete Qualität verleihen, und freuen sich über alles, was sich sonst noch so findet rund um Guttannen, Heidelbeeren, Tannenspitzen oder Föhrenzapfen zum Beispiel, kommen in die saisonalen Gin-Mischungen, aber auch Kostbarkeiten wie Steinpilze oder Kristalle, die ihr Sammelfieber wecken. In hohem Tempo und mit vielen Anekdoten und Seitenschlaufen versehen, erzählen sie von ihrem Werdegang, so dass es gar nicht so einfach ist, ihnen zu folgen.
Begonnen hat alles beim Snowboarden. Tiraboschi, selbst passionierter Snowboarder, begann, eigene Filme zu produzieren. Zusammen mit einem Kollegen gründete er die Firma Dedicam.TV, die sich bald einen Namen machte für Drohnenaufnahmen. Ehe es die jungen Filmer begriffen, befanden sie sich aufgrund ihres Tüftlergeistes und der gelebten Perfektion mitten in grossen, internationalen Filmproduktionen. Ebenfalls bei einem Snowboard-Shooting am Hasliberg lernte Tiraboschi die Profsnowboarderin Lisa Beck kennen. Einige Jahre später wurden sie ein Paar. «Das mit dem Gin ist ein Zufall», erzählt er. «Ich suchte einen Ausgleich zum Filmbusiness und begann mich für das Destillieren von Gin zu interessieren.» In Guttannen bot sich die Möglichkeit, in einem Haus am Dorfeingang eine Brennerei mit Laden einzurichten. Nur so herumpröbeln ist nicht Tiraboschis Sache. Ihm quellen die Ideen nur so aus dem Hirn, er muss Dinge ausprobieren und Neues anpacken. Wenn er etwas macht, dann will er es gut machen.
Das war der Startschuss zum Faceplant Gin. Lisa Beck begann irgendwann, sich doch in das Vorhaben einzubringen. «Ich trinke zwar keinen Gin, aber ich habe einen guten Geruchssinn», sagt sie. Und so wurde sie zur wichtigsten Testperson. Die zwei entschieden sich zudem einige Monate nach Eröffnung der Brennerei, selbst nach Guttannen zu ziehen. «Entweder ganz rein oder ganz raus», sagt Beck dazu und meint den Umzug ins Bergdorf. Und so ist unterdessen die Destille fast täglich in Betrieb, in den Regalen stehen hübsche Glasflaschen in Reih und Glied, mit je nach Sorte unterschiedlich farbigen Verschlüssen. Der Faceplant Gin hat bereits zahlreiche Freunde gefunden, oft gelangt er als Mitbringsel auch ins Gepäck von Gästen. Tiraboschi verbringt viel Zeit im Laden und in der Produktion, Beck arbeitet nebenbei an ihrer Doktorarbeit in Bewegungswissenschaften, abends oder am Wochenende sind sie in den Bergen unterwegs auf der Suche nach Zutaten oder anderen Schätzen. In diesem Setup bleibt auch noch Zeit für ihre andere Leidenschaft: El Salvador. Im Winter ist die Gin-Brennerei im Winterschlaf, während Lisa Beck und Davide Tiraboschi das Leben in Shorts und Flipflops geniessen.