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«Wir können die Projekte nur realisieren, wenn die Region mit uns ist.»
Das Jubiläumsjahr der Kraftwerke Oberhasli AG ist vorbei. Für die Unternehmung war es ein schönes Jahr, wenn auch ein intensives. CEO Daniel Fischlin äussert sich zum Stand der Projekte Trift und Vergrösserung Grimselsee, wie auch zu den anspruchsvollen Diskussionen rund um den Dialog mit den Umweltverbänden, der Gemeinde Innertkirchen und dem Kanton.
14.01.2026 Author – Annette Marti Photos – David Birri
Das Jubiläumsjahr der KWO ist vorbei. Haben Sie neue Einsichten gewonnen, Daniel Fischlin?
Mein Eindruck hat sich bestätigt, dass unsere Mitarbeitenden enorm viel leisten. Das ist keine neue Einsicht, trotzdem hat es mich beeindruckt. Ein Punkt ist mir stärker bewusst geworden, nämlich wie die KWO von aussen wahrgenommen wird. Viele Gäste, die unsere Anlagen besuchten, waren überrascht zu sehen, wie gross die Dimensionen sind und in welcher Komplexität alles ineinandergreift. Wir haben also noch viel Potential, die KWO besser zu erklären.
Was waren für Sie die Highlights des Jubiläums?
Der 20. Juni 2025 war ohne Frage ein Meilenstein, als wir das Jubiläumsfest und die 100. Generalversammlung der KWO an der Grimsel feierten. Es hat alles perfekt zusammengepasst, das Wetter spielte mit und die Gäste waren glücklich. Auch die anderen Anlässe fand ich sehr stimmig, die öffentlichen Veranstaltungen in Meiringen, das Wochenende der offenen Tür, das Fest für die Mitarbeitenden und ganz nebenbei haben wir noch eine Staumauer in Betrieb genommen! Es ist viel passiert.
Die letzten Monate waren intensiv für die KWO: Der Grosse Rat diskutierte die Konzessionserneuerung, Sie selber gaben den Erfolg im Dialog mit den Umweltverbänden bekannt und zuletzt kamen Diskussionen auf über die Zusammenarbeit mit der Region. Teilen Sie diese Einschätzung?
Es war tatsächlich einiges los in den vergangenen Monaten. Allerdings beschäftigen uns einige dieser Themen schon lange, zum Beispiel die Gespräche mit den Umweltverbänden, den Gemeinden und dem Kanton. Wir wissen auch schon eine ganze Weile, dass die Wasserkraftunternehmungen eine neue Konzession brauchen. Dies wirft nicht nur im Kanton Bern viele Fragen auf. In den letzten Monaten sind diese Diskussionen nun in der Öffentlichkeit angelangt, und ja, insofern ging 2025 schon ein gewisser Ruck durch die Reihen.
Die Themen waren schon da, aber die Dynamik ist neu?
Ja, die Themen sind seit längerem präsent und wir haben bereits viel Arbeit investiert. Im «Grimsel-Dialog» fanden insgesamt elf Sitzungen im Plenum statt sowie diverse Sitzungen in Arbeitsgruppen. Es brauchte Zeit und Einsatz, um Vertrauen zu schaffen und die Zusammenarbeit auf eine neue Ebene zu bringen. Aber es ist so, die Dringlichkeit der ganzen Thematik hat sich verschärft. Der Ton ist anders geworden. Das fiel mir besonders auf bei den politischen Diskussionen im nationalen Parlament rund um den sogenannten Beschleunigungserlass. Im Abstimmungsbüchlein zum Stromgesetz wurde zugesichert, dass das Beschwerderecht der Verbände nicht in Frage gestellt wird. Kurz nach der Volksabstimmung über dieses Gesetz begann man in den eidgenössischen Räten aber plötzlich, trotzdem daran zu schräubeln. Das ist nicht vertrauensfördernd und ich finde, es ist für die Schweiz auch etwas Neues. Die Dynamik hat sich durchaus verändert.
Sie haben gesagt, die KWO setze seit Jahren auf den Dialog. Nun hat der Gemeinderat Innertkirchen kurz vor Weihnachten scharfe Kritik geübt an genau dieser Dialogbereitschaft Ihres Unternehmens. Die Gemeinde sei übergangen worden, heisst es. Was ist passiert?
Ja, tatsächlich nimmt der Gemeinderat hier eine eigene Position ein und erzählt die Geschichte anders. Die Gemeindevertreter waren zu allen Dialog-Sitzungen eingeladen und haben an den allermeisten auch teilgenommen. Dies gilt auch für die Arbeitsgruppe «Nutzungsverzichte Gletschervorfelder». Dort besprachen wir die Thematik Gebiet Steingletscher und definierten auch den Inhalt der Dienstbarkeiten mit den zukünftigen Nutzungen. In dieser Gruppe haben Vertreter der Gemeinde nicht nur teilgenommen, sondern auch aktiv mitgearbeitet. Hintergrund für die Verhandlungen ist das Stromgesetz, das uns verpflichtet, zusätzliche Ausgleichsmassnahmen zugunsten von Biodiversität und Landschaft vorzulegen. Dem zugrunde liegt die gemeinsame Erklärung des Runden Tisch Wasserkraft und die sieht vor, dass die Massnahmen in Verhandlungen zwischen der jeweiligen Projektantin, dem jeweiligen Standortkanton und den Umweltverbänden festgelegt werden. Die KWO hatte aus freien Stücken entschieden, zusätzlich die Gemeinde mit an den Tisch zu holen, dies, weil uns sehr wohl bewusst ist, wie wichtig diese Partnerschaft ist. Wir waren übrigens schon vor dem «Grimsel-Dialog» mit den Gemeinden im Austausch wegen des Projektes Trift, das hat vor bald zehn Jahren begonnen. Viele Anregungen aus der Bevölkerung und von der Gemeinde haben wir bereits aufgenommen und das Projekt entsprechend angepasst.
Unsere Dialogbereitschaft gegenüber der Gemeinde besteht weiterhin.
Daniel Fischlin, CEO KWO
Erklären Sie doch bitte den Unterschied zwischen all diesen Massnahmen, welche sind gesetzlich festgelegt und welche sind freiwillig?
Gesetzlich gefordert sind die sogenannten zusätzlichen Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft. Für sie bestand in unserem Fall auch ein zeitlicher Rahmen, denn sie gehören heute zu den vorgeschriebenen Inhalten eines Konzessionsgesuchs. Wir mussten sie für das Triftprojekt zeitnah erarbeiten. Wie die Massnahmen genau ausgearbeitet werden und wie die konkrete Umsetzung zu erfolgen hat – das sind Fragen, die im Stromgesetz nicht geregelt sind. Diese Unklarheit hat den Prozess erschwert. Nun wird über die ökologischen Kompensationen hinaus ein Ausgleich gefordert für die Lasten, die die Bevölkerung aufgrund des Projektes zu tragen hat. Das ist auch richtig so. Damit reden wir von den freiwilligen Massnahmen. Die Gemeinden und wir benutzen hier den Ausdruck «touristische und gesellschaftliche Ausgleichsmassnahmen.» Wir sind uns bewusst, dass ein Grossprojekt wie der Speichersee Trift für die Bevölkerung auch negative Begleiterscheinungen mit sich bringt. Dieser Aspekt war schon bei verschiedenen anderen Ausbauprojekten von uns ein Thema, beispielsweise beim Tandem oder beim Kraftwerk Innertkirchen 3. Deshalb haben wir der Gemeinde immer wieder zugesichert, dass die KWO gewillt ist, über die Massnahmen zugunsten von Biodiversität und Landschaft hinaus eine Kompensation an die Gesellschaft zu erbringen.
Das Gletschervorfeld am Sustenpass führt der Gemeinderat als negatives Beispiel für die Situation an, man wolle dort kein neues Schutzgebiet. Worum geht es genau?
Wir wissen, dass die Gemeinde keine weiteren Schutzgebiete will. In den Verhandlungen im «Grimsel-Dialog» haben wir uns sogar dafür eingesetzt, dass das Gebiet Steingletscher eben gerade nicht unter Schutz gestellt wird. Der Druck von Seiten Umweltverbänden war gross, das Gebiet ganz unter Schutz zu stellen. Das wird nun nicht passieren. Die Lösung ist die Dienstbarkeit, die wir für das Gebiet Stein im Dialog ausgehandelt haben. Sie legt die Nutzung fest. Alpwirtschaft, Tourismus und Alpinismus werden auch künftig möglich sein, eine intensivere Nutzung etwa mit Strassen, Hotels oder Skiliften kommt jedoch nicht in Frage. Sie ist bereits heute nicht möglich. Von diesem ganzen Gebiet zwischen Hotel Steingletscher und Tierberglihütte umfassen rund zwei Drittel das sogenannte herrenlose Land, ein Drittel ist im Besitz der KWO. Die KWO betreut bereits seit mehreren Jahren das gesamte Gebiet – wir lenken Besucher, räumen auf, bewirtschaften Parkplätze und setzen einen Ranger ein, um Verständnis zu schaffen.
In der Geschichte der KWO war die Beziehung zur Region immer wieder ein Thema, es stand damit mal besser, mal schlechter. Wo sehen Sie sich heute?
Dieses Verhältnis hat sich tatsächlich oft gewandelt. In Hinsicht auf unsere aktuellen Projekte haben wir im Verwaltungsrat immer deutlich gemacht, dass Grossprojekte nur realisiert werden können, wenn die Region mit uns ist. Die KWO ist ein Partnerwerk, unsere Aktionäre sind die Geldgeber, sie haben eine andere Perspektive auf die Situation und sind nicht vor Ort. Ich sehe es als unsere Aufgabe an, Verständnis für die Zusammenarbeit mit der Region zu schaffen. Dafür setze ich mich im Verwaltungsrat ein. So haben wir bereits namhafte Beträge investiert, bevor überhaupt die Konzession für das Triftprojekt vorliegt. Ich denke da beispielsweise an die Erneuerung der Triftbahn für 4,5 Millionen Franken. Das ist eine rein touristische Massnahme. Für unseren Kraftwerksbetrieb brauchen wir die Bahn künftig nicht mehr. Ich denke aber auch an die Umlegung des Wanderwegs zur Trifthütte, den substanziellen Beitrag an die Gadmer Lodge oder an die Langlaufloipe. Diese Investitionen zeigen, dass uns die Anliegen der Region wichtig sind und wir sie ernst nehmen.
Diese Investitionen zeigen, dass uns die Anliegen der Region wichtig sind und wir sie ernst nehmen.
Daniel Fischlin, CEO KWO
Was bedeuten die verschiedenen Themen nun für die Projekte Trift und Vergrösserung Grimselsee?
Die zwei Projekte Trift und Vergrösserung Grimselsee haben schon mehrere grosse Hürden genommen und ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg finden, diese Projekte zu realisieren. Aus gesamtschweizerischer Perspektive muss man sagen, dass von allen 15 landesweiten Projekten, die am Runden Tisch Wasserkraft definiert worden sind, Trift und Vergrösserung Grimselsee diejenigen sind, die am weitesten fortgeschritten sind. Aus der Sicht der KWO sind die Vorhaben wichtig, um für die nächsten Jahrzehnte die Attraktivität der Firma auf dem Markt zu erhalten, um Arbeitsplätze sichern und zur Wertschöpfung in der Region beizutragen. Wir nehmen die jetzigen Unstimmigkeiten ernst und versuchen, Lösungen zu finden. Unsere Dialogbereitschaft gegenüber der Gemeinde besteht weiterhin.
Auch die Konzessionserneuerung wird Sie weiter beschäftigen?
Auf jeden Fall! Die nächsten Jahre werden sehr interessant. In Hinsicht auf die neue Konzession für die Nutzung der Wasserkraft muss eine Regelung gefunden werden, die 80 Jahre gültig sein wird. Die aktuelle Konzession der KWO läuft Ende 2041 aus. Die neue Konzession wird dann bis ins Jahr 2121 gültig sein, das ist eine lange Zeit! Wir brauchen also eine Lösung, die Hand und Fuss hat.
Der Kanton Bern hat in seiner Strategie, die im Grossen Rat diskutiert wurde, vorgeschlagen, auf den Heimfall zu verzichten. Was bedeutet das?
Der Kanton vergibt diese Konzession, richtig. Er hätte das Recht, die Kraftwerksanlagen zu übernehmen, wenn die Konzession abläuft. Die sogenannten «nassen» Anlageteile dürfte er unentgeltlich zu sich nehmen. Für alle elektrischen Anlagen, wie Generatoren und so weiter, müsste der Kanton bei einem solchen Heimfall eine Entschädigung an den jeweiligen Kraftwerksbetreiber bezahlen. Nun können die kantonalen Behörden entscheiden, dass sie darauf verzichten, die Anlagen zu übernehmen. In diesem Fall wird aber eine Verzichtsentschädigung fällig. Nun ist die knifflige Frage: Was ist das Preisschild für diesen Verzicht? Der andere Punkt ist, dass die Beteiligungsverhältnisse der Kraftwerksbetreiber – und auch der KWO – neu geregelt werden müssen. Für alle diese Fragen gibt es kein Rezeptbuch, es sind schwierige Fragen und sie werden uns noch eine Weile beschäftigen.
Und diese Fragen bringen auch Unsicherheiten mit sich in Hinsicht auf mögliche Investitionen in neue Projekte?
Ja, solche Unklarheiten haben immer Einfluss auf den Umgang miteinander. Für die Projekte Trift und Grimselsee mache ich mir aber keine Sorgen, denn wenn der Bauentscheid gefällt wird, sollte grössere Klarheit bestehen, wie es hinsichtlich der Konzessionserneuerung weitergeht. Die Projekte werden so oder so eher erst umgesetzt sein, wenn klar ist, wie es mit der neuen Konzession weitergeht. Doch bis dahin wird es anspruchsvolle Diskussionen geben – uns wird die Arbeit jedenfalls nicht ausgehen.